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The Gathering: Souvenirs
VÖ:
17.03.2003 (Vofpsychon (Soulfood Music))
Bewertung:
Tracklist:
These good people
Even the spirits are afraid
Broken glass
You learn about it
Souvenirs
We just stopped breathing
Monsters
Golden grounds
Jelena
A life all mine
The Gathering haben schon einen beeindruckenden Wandel hinter sich. Ihr erstes Album Always bot noch aggressiven Gothic Metal mit Frauengesang wo aber auch vereinzelt Pink Floyd Einflüsse durchschienen. Es schien von Anfang an klar dass sich The Gathering nur schwer in eine Schublade stecken lassen da sie stets für andere Einflüsse offen sind. Almost A Dance bestätigte dies. Mit neuen Sänger deuteten die Holländer an wohin der Weg gehen könnte allerdings konnte dieser nur schwer überzeugen.
Der Rest der Band erkannte dies und nach längerer Suche präsentierte man Gesangsgöttin Anneke Van Giersbergen mit der man die beiden Klassiker Mandylion und Nighttime Birds präsentierte. Obwohl die nicht metallischen Einflüsse deutlich stärker wurden (Pink Floyd oder Dead Can Dance - nicht umsonst wurde der Dead Can Dance Song In Power We Entrust The Love Advocated gecovert) wurden die Holländer gerade in der Metal Szene gebührend gefeiert. Mit How To Measure A Planet kam dann der Quantensprung.
Obwohl der Großteil der Presse das Werk nahezu mit Lobeshymnen betitelte kam es bei den Fans zwiespältig an. Was war geschehen? Der Metal Sound schien komplett abgelegt und es kamen Einflüsse von Massive Attack oder Portishead hinzu. Kritiken des Ausverkaufs wurden laut was ich nicht ganz verstehe. HTMAP ist ein wahres Meisterwerk wo The Gathering einmal mehr beweisen dass sie sich keine Grenzen setzen. Die verkaufstechnisch sichere Variante wäre Mandylion Teil 3 gewesen (bei aller Liebe zu Nighttime Birds aber es unterscheidet sich kaum von Mandylion und geht ohne weiteres als deren zweiter Teil durch) da sich The Gathering damit den Großteil ihrer Fans erspielt haben. Aber die Holländer zeigen Mut zur Weiterentwicklung (eher selten in der Metal Szene) und schufen mit How To Measure A Planet ein zeitloses Album das eigentlich schwer zugänglich, da ziemlich komplex ist. Allein dafür verdienen The Gathering in meinen Augen höchste Anerkennung.
If Then Else, das nächste Werk, dürfte ein Kompromiss zwischen Band, Plattenfirma und auch ein wenig den Fans gegenüber gewesen sein was The Gathering in aktuellen Interviews auch bestätigen. Obwohl mit Amity, Analog Park oder auch Saturnine wieder wahre Songperlen vertreten waren klingt If Then Else wie das fehlende Glied zwischen Nighttime Birds und How To Measure A Planet. Wäre If Then Else vor HTMAP erschienen, wer weiß, vielleicht hätten dann mehr Fans den weiteren Weg von The Gathering nachvollziehen könnnen. Es folgte mit Superheat noch ein Livealbum wo deutlich wird dass auf einen The Gathering Konzert pure Magie herrscht.
Danach trennten sich The Gathering von ihrer Plattenfirma Century Media und gründeten ihre eigene. Erst jetzt konnten sich die Holländer komplett entfalten und ihren eigenen Ideen nachgehen. Black Light District ist das erste Lebenszeichen dass The Gathering komplett in Eigenregie durchzogen. Und es herrscht einmal mehr die pure Magie. Der Titelsong wird trotz seiner knappen 18minütigen Länge nie langweilig und präsentiert The Gathering in Höchstform. Der Metal wurde nun komplett adacta gelegt was den Holländern aber sehr gut zu Gesicht steht.
Was kann man von so einer Band anno 2003 also erwarten? Eine Rückkehr zum Metal wohl kaum das wurde mit Black Light District klar. Stattdessen kommt nun mit Souvenirs ein wahres Meiterwerk großartiger Musik. Fernab jeder gängigen Musikrichtung kreieren The Gathering ihren eigenen Sound der nichts weiter als die Weiterführung von How To Measure A Planet und Black Light District ist. Wie soll man deren Musik eigentlich noch in Worte fassen? Die Holländer nennen es selber Trip Rock was eigentlich gut passt. Einmal mehr werden Einflüsse von Massive Attack, Portishead und David Bowie deutlich aber The Gathering als eine Mischung aus diesen zu bezeichnen ist zu einfach. Alleine Annekes Gesang sorgt dafür dass die Holländer nach wie vor ihre eigene Identität haben. Anneke liefert hier wahrscheinlich auch ihre beste Gesangsleistung überhaupt ab.
Auf Broken Glass beispielsweise verzaubert Anneke den Hörer von Anfang bis Ende und regt ihn zum träumen an. Neben Trip Hop artigen Beats kommen auf den Songs auch die Gitarren nicht zu kurz und über allen thront Anneke mit ihere Stimme.
You Learn About It ist eine richtige Gänsehautballade und in meinen Augen eines der schönsten Lieder das The Gathering jemals aufgenommen haben. Als Single ausgekoppelt hätte das Lied meiner Ansicht nach gute Chanecen so richtig durchzustarten - es wäre The Gathering zu wünschen, verdient hätten sie es sich schon längst.
Das Titellied Souvenirs definiert die neue Ausrichtung am deutlichsten - elektronische Beats treiben den Song nach vorne bevor die Gitarre einsetzt und somit die selbst auferlegte Bezeichnung Trip Rock definiert. Ein Lied das mit jeden hören wächst (wie eigentlich das ganze Album) da man immer wieder was neues entdeckt. Das Lied geht direkt in We Just Stopped Breathing über wo unter anderen auch Trompeten (!!) zu hören sind. Man merkt einfach dass The Gathering den Druck ihrer ehemaligen Plattenfirma los sind - hier wird den eigenen Ideen freien Lauf gelassen.
Ein weiteres Highlight ist Monsters, ein Rocksong im Stile von David Bowie wo gezeigt wird dass sehr wohl noch Wert auf harte Gitarren gelegt wird.
Eigentlich hat Souvenirs nicht wirklich eine Schwachstelle und ich könnte jetzt jeden Song als Anspieltipp nennen. Ein Lied soll aber nicht unerwähnt bleiben und zwar A Life All Mine. Hier konnte zum ersten mal überhaupt ein Gastsänger (!!) verpflichtet werden. Trickster G. akâ Garm von Ulver ist es der sich mit Anneke ein atembraubendes Gesangsduett liefert. Die beiden Stimmen ergänzen sich ideal und als letztes Lied auf der CD schließt A Life All Mine ein einmaliges Album ab.
Fazit: Wer Mandylion und Nighttime Birds hinterhertrauert und eine Rückkehr zu diesen Alben erwartet wird enttäuscht sein, wer allerings How To Measure A Planet, If Then Else und Black Light District mit offenen Armen aufgenommen hat wird auch Souvenirs lieben. In meinen Augen neben How To Measure A Planet das stärkste Werk der sympathischen Holländer. Ich freue mich schon sehr auf die kommende Tour wo ich mit Sicherheit dabei sein werde. Zum Abschluss noch eins: man kann The Gathering viel vorwerfen aber sie haben es sich selber nie leicht gemacht und waren stets offen für neues. Anstatt den Fans von Mandylion das zu geben was sie wollten nämlich weitere Alben in diesen Stil zeigen The Gathering den Mut was gänzlich anderes auszuprobieren. Dafür gebührt der Band eigentlich Anerkennung und der längst verdiente Durchbruch. Ob dieser kommen wird bleibt abzuwarten denn leicht zugänglich ist Souvenirs mit Sicherheit nicht. Es ist ein Album auf das man sich vollkommen einlassen muss und nicht einfach nur nebenbei gehört werden kann. Am besten Licht aus, Kopfhörer anlegen und eine knappe Stunde sich von wahrhaft einzigartiger Musik verzaubern lassen.
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